Theater


Theater

 

"Nein sagen und sterben"

 

(Ein Theaterstück der Theatergruppe

nach der Tragödie ANTIGONE von Jean Anouilh)

 

Vor den Toren Thebens liegt die Leiche des von seinem Bruder Eteokles getöteten Polyneikos, der als Staatsfeind erklärt wird. König Kreon verbietet bei Androhung der Todesstrafe die rituelle Bestattung des Leichnams.

 

Antigone, Schwester von Polyneikos und Eteokles, hält sich nicht an dieses Verbot, für sie ist es selbstverständlich, ihren Bruder zu bestatten. Sie wird dabei beobachtet und gefangengenommen. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung mit ihrem Onkel Kreon, der sich jetzt in dem Konflikt befindet, seine Nichte und Braut seines Sohnes mit dem Tode zu bestrafen oder einen Weg zu finden, Antigone zu retten.

 

Antigone steht zu ihrer Tat und weiß, dass sie deshalb sterben muss. Sie weigert sich, Kreons Rettungsversuche anzunehmen.

 

Sie schließt mit sich und der Welt ab und zieht dabei nicht nur sich selbst in den Abgrund…..

 

 

Theaterkritik:

 

Die Aufführung "Nein sagen und sterben" der Theatergruppe der Ernestinenschule zu Lübeck nach der Tragödie ANTIGONE von Jean Anouihl verzichtet auf das übliche Illusionstheater. Bewusst wird der antike Stoff als Modell herausgestellt, das dem Zuschauer vorgeführt wird. Vier ganz wunderbar besetzte Sprecherinnen wenden sich in lockerem Plauderton an das Publikum und übernehmen die Funktion, die in der klassischen Antigone bei Sophokles der Chor hat. Sie tragen moderne Kleidung, erwähnen zwanglos leichte Themen – nicht die Antike, sondern unsere Gegenwart ist gemeint. Die Sprecherinnen stellen sie einzelnen Figuren vor, die bereits zu Beginn auf der Bühne sind. Sie schwatzen und stricken, die Wächter vertreiben sich die Zeit mit Kartenspiel – so warten all auf ihr Stichwort.


Als dieses kommt, geht es los: König Kreon hat ein Gesetz erlassen, das Polyneikes als Staatsfeind nicht beerdigt werden darf. Seine Schwester Antigone, herausragend dargestellt von Ina Langhans, lehnt sich auf gegen das Gebot und wird den Toten als ihren Bruder bestatten. In einem großen Streitgespräch zwischen König, verkörpert von einer straken Kim Bürk, und Antigone, in dem beide Darsteller aus ihrem großen Talent des spielerischen Darstellens schöpfen,  stehen sich zwei unversöhnliche Haltungen gegenüber. König Kreon ist ein Pragmatiker der Macht, für den nicht die abstrakte Moral einer Antigone, sondern die Zweckmäßigkeit zählt. Doch Antigone will und kann nicht Verständnis aufbringen. Sie geht aus Protest in den Tod, stolz darauf, dass ihr Tod im Grunde sinnlos ist. Kreon tut weiter seine Pflicht – alleingelassen, denn sein Sohn Hämon, gefühlvoll gespielt von Tim Eixmann, der mit Antigone verlobt war, hat sich aus Verzweiflung erstochen und Kreons Frau schneidet sich die Kehle durch. Dem Zuschauer begegnet in diesem Stück das störrische kleine Mädchen Antigone, das für seine Utopie kämpft, das mit seinem Ideal von Reinheit und Wahrheit die korrupte Umwelt herausfordert. Unvernünftig idealistisch rennt es in den Untergang und setzt so ein Zeichen für die Möglichkeit einer besseren Welt. Die Ambivalenz  zwischen Kreon mit der Einsicht in das Notwendige und Antigone als radikaler Anspruch auf Freiheit und Selbstverwirklichung wurde auf ganz wunderbare und beeindruckende Art und Weise umgesetzt.

 

Das gesamte Ensemble besticht durch Präsenz und sehr guter Darstellungskraft. Untermalt von passend gewählter Musik und dem Ergreifen des gesamten Raumes als Darstellungsort gelang es, den Zuschauer mit in die Geschichte hinein zu ziehen.


Wer diesen Abend anders verbracht hat, der hat etwas Wunderbares verpasst.

 

(Kristin Gerloff)

 

 

 

theater-2010-1.jpg

 

 

theater-2010-2.jpg

 

 

theater-2010-3.jpg

 

 

theater-2010-4.jpg

 

 

theater-2010-5.jpg

 

 

 

theater-2010-6.jpg

Bilder durch Anklicken vergrößern

 

theater-2010-7.jpg

 

 

theater-2010-8.jpg

 

 

theater-2010-9.jpg

 

 

theater-2010-10.jpg

 

 

theater-2010-11.jpg

 

 

theater-2010-12.jpg

 

 

theater-2010-13.jpg

 

 

theater-2010-14.jpg

 

 

 
© 2010 Ernestinenschule - Gymnasium der Hansestadt Lübeck