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Reportage über den Vortrag von Schlomo Samson
Wie ein junger Jude den NS-Terror erlebte
Am Dienstag, den 8. November 2009 durften die Schüler des 12. und 13. Jahrgangs der Ernestinenschule zu Lübeck einem ganz besonderen Vortrag lauschen. Der 86- jährige, urprünglich aus Leipzig stammende Schlomo Samson, geboren Manfred Samson, der seit 1946 in Israel lebt, berichtet uns von seinen Erlebnissen in der NS-Zeit, die er als Jugendlicher überstehen muss.
Herr Samson beginnt mit der Schilderung des historischen Ereignisses der Reichsprogromnacht im Jahre 1938, in der erstmals ganz offensiv gegen die Juden vorgegangen wird. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hat der damals 15-jährige miterlebt und musste mit ansehen, wie jüdische Synagogen brannten und Geschäfte von SS-Offizieren zerstört wurden. Schlomo Samson nennt diese Nacht Reichskristallnacht, da er sah, wie zahllose Schaufenster jüdischer Geschäfte von SA und SS in Zivil zerschlagen wurden. Doch es kommt nicht nur zu Sachbeschädigungen, sondern auch zu körperlicher Gewalt gegen die Juden in Deutschland. Dies ist der erste Höhepunkt des staatlichen Antisemitismus in Deutschland.
Am Tage des 10. Novembers werden über 30.000 Juden in KZs gebracht. Herr Samson berichtet uns, dass er bereits ein Jahr zuvor die Diskriminierung der Juden am eigenen Leib erfahren muss. Als er um eine Genehmigung für die selbstverfasste Operette "Geschichte von Purim" bittet, wird diese mit der Begründung abgelehnt, dass Manfred den Generaloberst Hermann Göring verhöhnt hätte. Daraufhin wird Schlomo Samson der jüdischen Schule in Leipzig verwiesen. Auch sein Klassenlehrer wird aufgrund dieser Anschuldigung von der Gestapo überprüft und sogar inhaftiert, kommt allerdings nicht ins KZ. Ende des Jahres 1938 wandert Herr Samson nach Holland aus und findet bald eine Lehrstelle. Am 10. Mai1940 werden die Niederlande, sowie Belgien und Frankreich von den Deutschen überfallen. Er erzählt uns, dass er in das niederländische Flüchtlingslager Westerbork kommt, das für die aus Deutschland geflüchteten Juden genutzt wird. Von dort aus soll er nach Bergen- Belsen deportiert werden, um dort für einen Austausch gegen einen Deutschen aus Palästina zur Verfügung zu stehen. Doch dieser Austausch findet nie statt. Am 9.4.1945 sollen Schlomo Samson und viele andere Juden nach Theresienstadt gebracht werden, fünf Tage bevor das KZ befreit wird. Am 23.4.1945 werden die Insassen des Evakuierungszugs in Tröbitz von der Roten Armee gerettet. Anschließend fährt Herr Samson wieder zurück nach Holland und meldet sich zur illegalen Einwanderung nach Palästina. Nach einer Wartezeit von einem ¾ Jahr in Südfrankreich, von wo das Schiff ablegen soll, beginnt für ihn ein neues Leben in dem palästinänsischen Kibbuz "Schluchoth".
Alle Zuhörer dieses Vortrags waren sehr beeindruckt von der detaillierten Schilderung von Schlomo Samson. Den Schülern hat ebenfalls gefallen, dass er uns die Möglichkeit gab, Fragen über sein bewegtes Leben zu stellen.
Vielen Dank, für diesen einzigartigen Bericht über die Zeit im Holocaust, Herr Samson !
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