Gedenken an die Vergangenheit - Bewusstsein für die Zukunft

Am 8. November 2019 hatte die Ernestinenschule zwei ganz besondere Gäste. Im Rahmen der Erinnerung an den Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 besuchte die Auschwitz-Überle­bende Eva Szepesi zusammen mit ihrer Tochter Judith unser Gymnasium und berich­tete in der Aula den Oberstufenschüle­rinnen und -schülern aus ihrem Leben. Eva Szepesi, geboren 1932 in Ungarn als Eva Diamant, Jüdin, wurde am 27.1.1945 von den Soldaten der Roten Armee in dem Vernichtungslager Auschwitz befreit. Sie war eines von etwa 400 Kin­dern unter 15 Jahren, die sich noch in Auschwitz befanden. Im Spätsommer 1949 kehrte sie nach Ungarn zurück und suchte vergeblich nach ihrer Familie. 1951 heiratete sie und zog 1954 mit ihrem Mann nach Frankfurt am Main. 50 Jahre lang war sie nicht in der Lage, über die damalige Zeit zu sprechen.

Die Veranstaltung begann mit einem Filmbeitrag, der sowohl die Geschichte der Shoah in Ungarn als auch Eva Szepesis Leben und auch Auswirkungen der Vergangenheit auf ihre Fa­milie zum Inhalt hatte. Ihr Enkel hat diesen Film erstellt. Danach las Eva Szepesi aus ihrem Buch und erklärte auch einzelne Passagen und Situationen. Abschließend stellte sie sich zu­sammen mit ihrer Tochter den Fragen unserer Schülerinnen und Schüler, die insgesamt sehr breit gefächert und tief gehend waren. Während der ganzen Veranstaltung war unsere Oberstufe äußerst konzentriert und hörte gespannt zu. Hier einige Äußerungen über das Erlebte:

 

„Die Veranstaltung war sehr interessant und eine tolle Möglichkeit, mehr über die Vergan­genheit zu erfahren und das aus erster Hand. Ich fand es super, dass sie alle Fragen offen und ausführlich beantwortet hat und sich die Zeit genommen hat, zu uns zu kommen und uns zu bereichern.“

 

„Die Veranstaltung war sehr einleuchtend und interessant. Es gab keine Komplikationen und man konnte gut folgen. Das Thema ging mir sehr nah und es war eine Ehre anwesend zu sein. Ich finde es stark von der Zeitzeugin, dass sie sich überwunden hat, dieses mahnende und wertvolle Wissen mit uns zu teilen.“

 

„Die Veranstaltung war sehr informativ. Der Vortrag war sehr gut vorgetragen und erschre­ckend. Zwar habe ich in der 9. Klasse dieses Thema in Geschichte behandelt, jedoch war man immer etwas distanziert, dies ist nun anders! Besonderen Respekt muss man Frau Szepesi aussprechen, dass man ihr zu ihrer Geschichte viele Fragen stellen konnte! Vielen Dank!“

 

„Ich fand den Besuch der Zeitzeugin sehr spannend, am besten fand ich den Kurzfilm, da man dort den Kontrast der drei Generationen erkennen konnte. Ich fand es jedoch erschre­ckend, dass Juden bis heute vor ihrer Schule Polizeischutz brauchen. Des Weiteren sollte der Holocaust/die Shoah niemals vergessen werden, daher war der Besuch umso aufschlussrei­cher.“

 

Achtung und Respekt beruhten auf Ge­genseitigkeit. So wurde die Disziplin und die engagier­ten Fragen sowohl von Eva Szepesi und ihrer Tochter als auch von Gabriele Hannemann (Konzeptwerkstatt Antisemitismus – Zugänge Schaffen – Schleswig-Holstein/Yad Ruth e.V.) gelobt. Letzterer ist es zu verdanken, dass seit vielen Jahren Schulen und jüdische Zeit­zeugen zusammenkommen. So hat sie in Zusammenarbeit mit der Geschichtsfach­schaft diesen Be­such erst möglich ge­macht. Ganz herzlichen Dank dafür. Die Finanzierung erfolgt über den Verein Yad Ruth e.V. und den Verein Miteinander leben e.V., d.h. die Hotel- und Flugkosten sowie Honorare wurden von den Vereinen übernommen. Ein weiterer Dank geht an Felix König von 54°, der uns die Fotos zur Veröffentlichung zur Verfü­gung stellt. Der größte Dank geht aber an Eva und Judith Szepesi, die uns mit ihrem Besuch einen besonderen Moment im Schulleben der Ernestinenschule geschenkt haben.